DOSB - Olympiamannschaft

Bühne

WM Clara Klug und Martin Härtl © Bob Frid / Canadian Paralympic Committee

Gold für die Biathlon-Königin, Bronze fürs Küken

Clara Klug hat im Biathlon über 12,5 Kilometer ihren Gold-Hattrick von Prince George (Kanada) perfekt gemacht. Bei der Para Ski nordisch-WM legte die Münchenerin den Grundstein am Schießstand und blieb ebenso fehlerlos wie die 17-jährige WM-Debütantin Johanna Recktenwald, die mit Bronze ihre erste Medaille bejubelte. In der sitzenden Konkurrenz gewannen Martin Fleig Silber und Andrea Eskau Bronze.

Gold über die Mitteldistanz, Gold im Sprint, Gold im Einzelrennen – Clara Klug (PSV München) hat sich im kanadischen Prince George selbst zur Biathlon-Königin der Para Weltmeisterschaften gekürt. Die 24-Jährige ließ sich bei den Frauen mit Sehbeeinträchtigung auch von ihrer Erkältung nicht stoppen. Sie blieb am Schießstand fehlerlos und kam mit ihrem schon vor der Ziellinie feiernden Guide Martin Härtl nach 43:44,1 Minuten ins Ziel, mit komfortablem Vorsprung vor Oksana Shyshkova (Ukraine), die in der Loipe zwar schneller unterwegs war als Klug, sich aber einen Schießfehler leistete und durch die Strafminute auf eine Endzeit von 44:08,8 Minuten kam.

„Ich dachte, ich muss sterben“, verriet Klug dem Stadionreporter. „Jeder Schritt war ein kleiner Kampf und es hat irgendwann nur noch wehgetan.“ Ihre Bilanz von Prince George fasste sie mit den Worten „Ich bin zwar krank, aber überglücklich“ zusammen. Bundestrainer Ralf Rombach bescheinigte Klug „eine sehr gute Renneinteilung“ und sagte: „Es ist schon beachtlich, wie sie die WM gemeistert hat.“

Beim Feiern war das Team Klug/Härtl diesmal nicht allein. Die 17-jährige WM-Debütantin Johanna Recktenwald (Biathlon Team Saarland) kam mit ihrem Guide Simon Schmidt nach einem durch und durch kaltschnäuzigen Auftritt auf den Bronzerang. Die Schülerin aus Marpingen schoss sicher und distanzierte die Viertplatzierte Andriana Kapustei aus der Ukraine (vier Fehler) auch in der reinen Laufzeit. „Ich bin so happy, dass ich viermal Null geschossen habe“, jubelte die strahlende Recktenwald. 

Johanna Recktenwald und Simon Schmidt © Bob Frid / Canadian Paralympic Committee

Eiskalte Finger am Morgen 

Am Vormittag hatten zudem Martin Fleig (Ring der Körperbehinderten Freiburg) und Andrea Eskau (USC Magdeburg) weitere WM-Trophäen gesammelt. Bei bitterkalten minus 17 Grad lief Fleig trotz zweier Schießfehler zu Silber, dank eines fulminanten Schlussspurts. 2,1 Sekunden lag er am Ende vor dem Ukrainer Vasyl Kravchuk, zehn Sekunden vor dem Vierten Daniel Cnossen aus den USA. Überragender Sieger wurde Taras Rad (Ukraine). „Meine zwei Fehler hätten nicht sein müssen. Ich kann sie mir auch nicht erklären. Aber ich bin natürlich zufrieden. Die Silbermedaille ist geil“, sagte Fleig.  

Eskau berichte von „eiskalten Fingern“ am Schießstand. „Aber das hatten ja alle Athleten.“ Läuferisch war die 47-Jährige nicht so gut drauf wie erhofft, zufrieden war sie trotzdem mit ihrer Leistung. Die brachte sie zu Bronze hinter der starken Kendall Gretsch (USA) und der diesmal geschlagenen Oksana Master (ebenfalls USA), die ein weiteres Mal die Schnellste im Feld war, sich aber drei Schießfehler leistete. Auf Rang vier folgte Anja Wicker (MTV Stuttgart), die froh war, überhaupt ins Ziel gekommen zu sein. „Es war genauso eklig, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich war am Schießstand teilweise so fertig, dass ich nicht mehr wusste, wie ich heiße“, berichtete die 27-Jährige.

Bei den Männern stehend landeten die deutschen Starter Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) und Alexander Ehler (SV Kirchzarten) auf den Plätzen sechs und sieben. Lehmker sprach von einem „sehr schwierigen Rennen“, da die Strecke aufgrund der Schneebedingungen sehr langsam gewesen sei. „Ich habe versucht, technisch sauber zu laufen und dann beim Schießen auch die Null zu haben. Das ist mir fast gelungen.“ Fast, weil ausgerechnet der letzte Schuss nicht sein Ziel fand. „Das ist ärgerlich. Aber insgesamt war ich auf der Strecke auch zu langsam.“ 

Ehler und Messinger im Pech

Ehler sammelte zwei Strafminuten an, litt aber vor allem noch immer unter seiner hartnäckigen Erkältung. „Durch die Krankheit habe ich keine Leistung mehr. Das ist einfach Pech“, sagte der merklich zerknirschte 49-Jährige. Den Sieg in der stehenden Konkurrenz ließ sich der herausragende Franzose Benjamin Daviet nicht nehmen. Er verwies Lokalmatador Mark Arendz auf den Silberrang. Marco Maier vom SV Kirchzarten ging nicht an den Start. Er schonte sich. 

Bei den Männern mit Sehbeeinträchtigung ging der Sieg an die Ukraine. Vitaliy Luk’yanenko rettete einen Zehn-Sekunden-Vorsprung vor dem läuferisch starken Weißrussin Yury Holub ins Ziel. Nico Messinger vom Ring der Körperbehinderten Freiburg musste mit seinem Guide Lutz Klausmann vorzeitig aussteigen, da dem 24-Jährigen alte Beinprobleme wieder zu schaffen machten. 

Am Freitag steht in Prince George kein Wettkampf auf dem Programm, am Samstag folgen die Staffel-Wettbewerbe. Die Weltmeisterschaften in Kanada enden am Sonntag mit dem Klassik-Langlauf über die lange Distanz.

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