DOSB - Olympiamannschaft

Paralympisch Leben

Das Online-Magazin „Paralympisch Leben“ ist das Herz der Webseite. Hier berichten wir über die Athletinnen und Athleten der Deutschen Paralympischen Mannschaft. Im Mittelpunkt stehen dabei die Geschichten hinter den Sportlern: Was macht sie aus, was haben sie erlebt und wie denken und fühlen sie? Alle Athletinnen und Athleten der Deutschen Paralympischen Mannschaft haben spannende Geschichten zu erzählen – die wir unter der Überschrift „Paralympisch Leben“ bündeln.

Sein großes Ziel liegt abseits von Schnee und Snowboard

Sein großes Ziel liegt abseits von Schnee und Snowboard

Parasnowboarder und Paratriathlet Stefan Lösler: Energie für jede Jahreszeit

Als erster und einziger deutscher Parasnowboarder trat Stefan Lösler im März 2014 bei den Paralympischen Spielen in Sotschi an. Der 29-Jährige ist seit einem schweren Verkehrsunfall oberschenkelamputiert und startet Mitte November in den Niederlanden in die kommende Weltcupsaison. Sein großes Ziel liegt jedoch abseits von Schnee und Snowboard: Lösler will 2016 zu den Paralympics nach Rio de Janeiro – als Triathlet. Da wären Erfolge im Winter eine willkommene Zusatz-Motivation.

Auf den Spuren von Andrea Eskau: Wenn am 17./18. November im niederländischen Landgraaf die neue Saison im Parasnowboarden beginnt, wird dort auch einer der besten deutschen Paratriathleten starten: Stefan Lösler. Der 29-Jährige ist – eine Rarität im deutschen Spitzensport – in zwei grundverschiedenen Disziplinen international in Aktion. Ähnlich der als Handbikerin wie auch als Biathletin und Langläuferin hochdekorierten Paralympionikin Andrea Eskau gibt es auch für Stefan Lösler keine ruhige Jahreszeit. So war er als erster deutscher Parasnowboarder bei den Paralympischen Spielen 2014 in Sotschi am Start, nachdem er im Jahr zuvor als Paratriathlet EM-Gold gewonnen hatte – sein bislang größter Erfolg unter bereits vielen in der wärmeren Jahreszeit. Besonders imponierend: In beiden Sportarten geht der Baden-Württemberger beinahe noch als Newcomer durch, denn gehandicapt ist das Energiebündel aus Kirchheim/Teck erst seit knapp fünf Jahren.

Lösler wurde 2010 Opfer eines schweren Verkehrsunfalls. Sein linker Oberschenkel musste amputiert werden. Das Laufen mit einer Prothese lernte er erst ein Jahr später in der Reha-Klinik wieder. 2012 absolvierte der vormalige Hobby-Triathlet erstmals wieder Strecken über zehn Kilometer. Im selben Jahr bereits wurde er Duathlon-Vizeweltmeister.

Der Sport nahm in Löslers Leben schon vor dem Unfall einen großen Stellenwert ein. Danach gewann er noch mehr an Bedeutung: „Sport war und ist eine Bestätigung für mich selbst und für den Kopf“, erinnert sich der frühere Snowboardlehrer, „wenn ich ein Tief habe, hilft mir der Sport enorm“. Im Sommer ist der Triathlon seine Leidenschaft. Im Winterhalbjahr hat sich Lösler dem Snowboarden verschrieben. Den Wettkampf-Rhythmus muss er indes noch verinnerlichen. Der Weltcup für Parasnowboarder wurde erstmals 2013 ausgetragen. Die Rennen finden in erster Linie in Europa und Amerika statt. Zwei Rennen muss ein Athlet fahren, um in die Wertung aufgenommen zu werden. Nachdem es in der vergangenen Saison lediglich die Unterteilung in Behinderung der oberen oder unteren Extremitäten gab, hat der Weltverband nun erstmals verschiedene Klassements eingeführt. „Dadurch, dass mir das Knie fehlt, habe ich einen großen Nachteil“, fasst Lösler sachlich zusammen. „Ohne eine gerechte Einteilung waren meinen Ambitionen bisher Grenzen gesetzt. Mit der neu eingeführten Unterscheidung bei den Fahrern mit Beinbehinderung werde ich nun endlich eine Chance haben, vorne mit zu fahren.“

Neben Lösler starten in Christian Schmiedt und Manuel Neß diese Saison zudem erstmals zwei weitere Athleten für Deutschland. Das Trio absolvierte in der Vorbereitung auf den kommenden Weltcup ein gemeinsames Trainingslager im Kaunertal. Lösler freut sich über die Unterstützung aus dem eigenen Land und geht mit frischer Motivation in die kommenden Aufgaben heran: „Es macht unglaublich Spaß, auf diesem Niveau Rennen zu fahren“, schwärmt das Multitalent, das neben dem Weltcup in den Niederlanden auch in Slowenien und Italien starten will. Die Rennen in Amerika, dem Heimatland der drei Medaillengewinner aus Sotschi, sind für Lösler finanziell nicht zu realisieren. Zwar übernahm ein Sponsor den vierstelligen Betrag für sein Snowboard und vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) gibt es auch Zuschüsse. „Doch das Snowboardfahren ist für mich mehr oder weniger ein Privatvergnügen“, erklärt Lösler. „Große Unterstützung erhält nur, wer wirklich vorne mitfährt – deshalb muss es bei mir mit dem Beruf vereinbar sein.“

Ob das auch in Zukunft so sein wird, ist derzeit die große Frage. Lösler hat gerade sein Studium in Graz abgeschlossen, nun sucht der Elektrotechniker und Toningenieur nach einem Job. „Ich versuche natürlich einen Arbeitgeber zu finden, der meinen Sport berücksichtigt. Davon wird es abhängen, wie und in welchem Umfang ich ihn weiter betreiben kann“. Denn nicht nur die Reisen zu Wettkämpfen, sondern auch das Training muss zeitlich und finanziell realisierbar sein. „In der Öffentlichkeit wird man als Behindertensportler eigentlich nur wahrgenommen, wenn Paralympics stattfinden; ansonsten ist das Interesse eher gering“, so der künftige B-Kader-Triathlet (ab 2015), der den Übergang zwischen Freizeit- und Leistungssport deshalb als „eher fließend“ bezeichnet. „Andere Nationen wie die Niederlande, Italien und die USA sind da im Snowboarden professioneller aufgestellt.“

So war Lösler Deutschlands zunächst einziger klassifizierter Athlet – und nahm als alleiniger Parasnowboarder des DBS an dem in Sotschi erstmals ausgetragenen Snowboardwettkampf teil. Eine „große Ehre und unglaubliches Erlebnis“ sei das gewesen. Er erinnert sich gern an dieses Highlight seiner Karriere: „Als wir bei der Eröffnungsfeier über die Rampe in dieses riesige Stadion reingekommen sind, hat es mir buchstäblich die Sprache verschlagen.“ Sportlich reichte es für Lösler für den 22. Platz, zufrieden ist er dennoch: „Als ich meinen zweiten Lauf perfekt runtergebracht habe, war die Freude riesengroß.“

Das paralympische Erlebnis würde er nur zu gerne wiederholen, allerdings nicht mit dem Snowboard. Sein großes Ziel ist Rio de Janeiro 2016 – als Triathlet. Anfang Oktober entschied der Weltverband, dass Löslers Klasse – schwerste Behinderung stehend – für die Spiele in Brasilien zugelassen wird. Für ihn eine willkommene Überraschung: „Das war nicht vorhersehbar. Wenn es mit der Teilnahme klappen würde, wäre das wirklich unglaublich.“ Noch ist Rio jedoch ein Fernziel – erst einmal tummelt sich Lösler auf seinem Snowboard im Schnee.

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie weiterhin auf dieser Website bleiben, erteilen Sie damit Ihr Einverständnis zur Verwendung von Cookies.

Schließen