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Paralympisch Leben

Das Online-Magazin „Paralympisch Leben“ ist das Herz der Webseite. Hier berichten wir über die Athletinnen und Athleten der Deutschen Paralympischen Mannschaft. Im Mittelpunkt stehen dabei die Geschichten hinter den Sportlern: Was macht sie aus, was haben sie erlebt und wie denken und fühlen sie? Alle Athletinnen und Athleten der Deutschen Paralympischen Mannschaft haben spannende Geschichten zu erzählen – die wir unter der Überschrift „Paralympisch Leben“ bündeln.

Schaffelhubers Jahr im Glanz des Goldes: „Ich bin die gleiche Anna geblieben“

Schaffelhubers Jahr im Glanz des Goldes: „Ich bin die gleiche Anna geblieben“
Quelle: Y.E.S. Sportmarketing

Nahziel ist die WM im März. Bis 2018 will sie auf jeden Fall weitermachen

von Julia Nikoleit

Fast ein Jahr genau ist ihr großer Triumph inzwischen her: Mit fünf Goldmedaillen stieg Anna Schaffelhuber zur strahlendsten Athletin der Deutschen Paralympischen Mannschaft in Sotschi auf. Ihre Erfolge verhalfen der Monoskibobfahrerin zu einer neuen Bekanntheit - mit all ihren Folgen. Zwölf Monate später steht die Regensburgerin bei der Weltmeisterschaft in Kanada endlich wieder sportlich im Blickpunkt und kündigt die Teilnahme an den Paralympischen Spielen 2018 in Korea als ihr großes Ziel an.

München - Das Leben der Anna Schaffelhuber lässt sich seit dem vergangenem Winter in „Vor-Sotschi“ und „Nach-Sotschi“ teilen: Vor den Paralympischen Spielen in Russland nahm die Öffentlichkeit die auch schon beachtlichen Erfolge der 22-Jährigen kaum wahr, danach entbrannte ein regelrechte Hype um die junge Sportlerin. Vor Sotschi war der Gewinn einer Goldmedaille das große Ziel, nach Sotschi hängt das begehrte Edelmetall gleich fünffach in ihrem Schrank. Vor Sotschi Außenseiter in der Sportszene, nach Sotschi ein „Star“.

„Ganz ehrlich: Bevor ich diese fünf Goldmedaillen gewonnen hatte, kam ich mir wirklich eher wie eine Randnotiz vor“, erinnert sich Schaffelhuber an die Zeit vor ihrem größten Triumph - und das trotz vier Weltmeistertiteln und einer Bronzemedaille im Super-G bei den Paralympics 2010 in Vancouver. Die Erfolge in Russland veränderten diese Wahrnehmung nachhaltig: „Seit Sotschi fühle ich mich deutlich anerkannter“, sagt Schaffelhuber. „Ich komme mir auch in der öffentlichen Wahrnehmung mehr als Leistungssportlerin vor.“

Dies machte sich auch in ihrem Kalender bemerkbar: Medienanfragen, Sponsorentermine, Ehrungen. „Nach Sotschi war es brutal viel“, blickt Schaffelhuber auf die vielleicht stressigsten Wochen ihres Lebens zurück. „Es gab tatsächlich einen Zeitpunkt, an dem ich  gesagt habe: Jetzt muss ich weniger machen, sonst komme ich nicht mehr zum Ski fahren.“

Tatsächlich trainierte die Regensburgerin in den vergangenen Monaten weniger als im Jahr zuvor, sogar ein Urlaubssemester an der Universität hat die Jura-Studentin einlegen müssen, um der Terminflut Herr zu werden. Es sei „wirklich extrem“ gewesen, sagt sie heute, doch auf der anderen Seite freut sie das auch: „Ich wollte und musste das mitnehmen. So eine Aufmerksamkeit ist einfach positiv - nicht nur für mich, sondern für unseren ganzen Sport. Wir wollen ja bekannter werden.“

Die vorläufige Krönung ihrer Erfolge in Sotschi erhielt sie erst im Januar: Schaffelhuber wurde von der Laureus-Stiftung zur Wahl als Weltbehindertensportlerin des Jahres 2014 im April nominiert. „Das bedeutet mir unheimlich viel“, hält die junge Athletin fest. „Der Laureus ist die höchste Ehrung, die man erhalten kann.“

Ihre Motivation hat sich Schaffelhuber trotz der fünf Goldmedaillen und dem öffentlichen Hype bewahrt. „Als ich direkt nach Sotschi die Medaillen im Schrank hängen sah, habe ich kurz gedacht: Eigentlich hast du alles erreicht, was du erreichen kannst“, erinnert sie sich. „Doch dann habe ich gemerkt, dass die Medaillen eigentlich nicht viel ändern - denn die Motivation ist weiterhin da.“ Ihr sei, so Schaffelhuber, stattdessen etwas klar geworden: „Ich will das nicht nur einmal erreichen, sondern noch ein zweites Mal. Ich will zeigen, dass es kein Zufall war, sondern, dass ich wieder ganz oben stehen kann.“

Dafür hat Schaffelhuber das Training umgestellt. „Ich trainiere nun mit einer höheren Intensität als vor Sotschi“, verrät die Monoskibobfahrerin, die aufgrund einer Querschnittslähmung auf den Rollstuhl angewiesen ist. Das zahlt sich aus: Schaffelhuber erhielt Anfang Februar sowohl die kleine Kristallkugel für den Disziplin-Gesamtweltcup-Sieg im Slalom als auch die große Kristallkugel für den Gewinn des Gesamtweltcups,

In der Alpinen Weltmeisterschaft steht nun das erste Großereignis nach Sotschi an. Schaffelhuber reist als Favoritin nach Panorama in Kanada, wo die Wettkämpfe am 4. März beginnen. „Das große Ziel muss Gold sein, alles andere wäre Schmarrn“, erklärt  die 22-Jährige. Sie wird in alle ihren goldenen Disziplinen an den Start gehen: Der Abfahrt, dem Super-G, dem Slalom, dem Riesenslalom und der Super-Kombination. Ob es wieder für fünf Goldmedaillen reicht? Schaffelhuber schmunzelt: „Am Schluss werden wir sehen, wie oft ich den perfekten Tag erwischt habe.“

Die Weltmeisterschaft ist jedoch nur ein Schritt auf dem Weg zu ihrem nächsten großen Ziel: Den Paralympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. „Ich habe immer gesagt: Die nächsten Spiele will ich noch mitnehmen“, blickt Schaffelhuber voraus. „Südkorea ist das große Ziel, auf das alles ausgerichtet ist.“ Verändert haben sie die Erfolge, der Hype und das verrückte letzten Jahre nach Sotschi indes nicht, da ist sich Schaffelhuber sicher: „Persönlich bin ich die gleiche Anna geblieben.“

Quelle: Medienmannschaft
Quelle Titelbild: Picture Alliance

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